123/2018 – Wohnhausbrand (mit Menschenrettung)

123/2018 – Wohnhausbrand (mit Menschenrettung)

Datum: 17. April 2018 
Alarmzeit: 23:17 Uhr 
Alarmierungsart: Teilalarm Drehleiter 
Art: Brand 5 > Brand Wohnhaus (Vollbrand) 
Einsatzort: Kuchenbergstraße, Wiebelskirchen 
Mannschaftsstärke:
Fahrzeuge: DLK 23/12 CS GL , GW-L1 , TLF 20/40 SL  
Weitere Kräfte: Bergungsunternehmen, Bestatter, DRK Ortsverbände, Einsatzleitung Rettungsdienst, Energieversorger, Kriminalpolizei, LB Hangard, LB Münchwies, LB Wellesweiler, Polizei, Rettungsdienst, THW Orstverbände 


Einsatzbericht:

Am späten Dienstagabend , 17. April, wurden die Löschbezirke Neunkirchen-Innenstadt, Wiebelskirchen, Hangard, Münchwies, Wellesweiler und Ottweiler zu einem Wohnhausbrand in die Kuchenbergstraße alarmiert.

In mehreren Notrufen melden Anrufer der Leitstelle ein Feuer in einem dreistöckigen Wohn- und Geschäftshaus am Fuße der Kuchenbergstraße. Laut den Meldungen brennt es im Treppenhaus. Um 23:17 Uhr löst die Integrierte Leitstelle (ILS) des Saarlandes mit dem Stichwort „Brand 4“ zunächst Alarm für die drei Neunkircher Löschbezirke Wiebelskirchen, Hangard und Neunkirchen-Innenstadt aus. Deutlich konkreter wird das Bild von der Lage vor Ort als der Neunkircher Wehrführer Stefan Enderlein kurz darauf eine Rückmeldung an die Leitstelle funkt: Im ersten und zweiten Obergeschoss stehen Menschen an den Fenstern und rufen um Hilfe, während aus anderen Fenstern bereits meterhohe Flammen schlagen. Die Lage ist brisant, das Feuer beginnt schnell im Haus um sich zu greifen. Noch dramatischer ist die Lage auf der Gebäuderückseite. Hoch über dem kleinen Hinterhof haben sich verzweifelte Bewohner auf das schräge Ziegeldach des Hauses geflüchtet. Stemmen ihre Beine in die Regenrinne um nicht abzurutschen und schreien laut um Hilfe.

„Oberstes Ziel in der ersten Einsatzphase war die Menschenrettung“, so laut Feuerwehrsprecher das erste Einsatzziel für die Feuerwehrleute. Um für alle Maßnahmen, Menschenrettung wie auch Brandbekämpfung, genug Personal vor Ort zu haben wird früh nachalarmiert. Die Löschbezirke Münchwies und Wellesweiler rücken zusätzlich nach Wiebelskirchen aus. Auch die Drehleiter der Feuerwehr Ottweiler wird angefordert, um die Neunkircher Drehleiter zu unterstützen. Gleich mehrere Trupps gehen unter Atemschutz zur Menschenrettung vor. Einen Teil der Hilfesuchenden können Feuerwehrleute noch durch das Treppenhaus ins Freie bringen, weitere können sie über tragbare Leitern retten. Im Hinterhof bringen Feuerwehrleute zur Absicherung der auf dem Dach Eingeschlossenen ein mit Druckluft aufgeblasenes Sprungpolster in Stellung. Beherzt greifen auch Nachbarn zu um das sperrige Sprungkissen in Position zu rücken. Mit den beiden Drehleitern aus Neunkirchen und Ottweiler gelingt es im letzten Moment noch drei weitere Menschen vor dem Feuer zu retten. Trotz intensiver Bemühungen bleibt im weiteren Einsatzverlauf eine Person vermisst.

Die eigentliche Brandbekämpfung gestaltete sich unterdessen sehr schwierig. Aufgrund der rasend schnellen Brandausbreitung vom Treppenhaus auf das erste Obergeschoss und schließlich auch auf den Dachstuhl war ein Vorgehen der Atemschutztrupps nur beschwerlich möglich. Binnen kurzer Zeit stand der komplette Dachstuhl in Flammen. Im Gebäudeinneren stürzen Decken- und Treppenteile ein. „Als die Situation im Gebäude zu gefährlich für die unter Atemschutz eingesetzten Feuerwehrleute wird, muss ihr Einsatz abgebrochen werden. Alle im Innenangriff befindlichen Feuerwehrleute müssen sich ins Freie zurückziehen“, so Feuerwehrsprecher Benkert. Nur noch im Außenangriff können die Feuerwehrleute danach dem Brand zu Leibe rücken. Neben mehreren von den umliegenden Straßen aus vorgenommenen Strahlrohren erweisen auch die beiden Drehleitern aus Neunkirchen und Ottweiler als wertvolle Hilfe bei der Brandbekämpfung. Sie gehen links und rechts des Brandhauses in Stellung. Aus der Höhe werden von ihren Körben aus leistungsstarke Wasserwerfer zur Brandbekämpfung eingesetzt. Es gelingt der Feuerwehr die Brandausbreitung auf weitere angrenzende Gebäude zu verhindern. Im Zuge der Löscharbeiten musste die Dachhaut über die beiden Drehleitern geöffnet werden, um darunter liegende Brandherde zu erreichen und zu löschen. Zur Sicherheit der Einsatzkräfte werden von den Drehleitern aus zudem die Halteseile der über der Straße hängenden Straßenbeleuchtung gekappt. Diese war teilweise am Brandhaus befestigt und drohte herabzustürzen.

Fachberater des Technischen Hilfswerks (THW) und der Unteren Bauaufsichtsbehörde (UBA) beurteilten das Wohn- und Geschäftshaus noch während des Brandes auf seine Statik. Hierbei wurde eine akute Einsturzgefahr eines Dachgiebels und diverser Strohmattendecken festgestellt. Um für weitere Löscharbeiten einen sicheren Rahmen zu bieten bringen Spezialkräfte des THW Ortsverbandes Sankt Ingbert an einem der Giebel Sensoren an. Mit ihnen können selbst kleinste Bewegungen am Giebel erkannt und die Einsatzkräfte vor Ort so schnell vor einem drohenden Einsturz gewarnt werden.

Bis zum Morgengrauen gelingt es der Feuerwehr nach und nach die meisten Brandherde in dem Gebäude zu löschen. Sukzessive können daher auch Kräfte aus dem anstrengenden Einsatz entlassen werden. Als die letzten Glutnester um die Mittagszeit des folgenden Mittwochs, 18. April herum gelöscht sind können auch die letzten Feuerwehrleute den Heimweg antreten. Sie übergeben die Einsatzstelle an die Polizei, welche noch in der Nacht Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen hatte. Gleichzeitig rücken auch weitere Einheiten des THW an, um das einsturzgefährdete Gebäude für die Arbeit der Polizei zu sichern.

Zur Spitzenzeit, gegen 1 Uhr in der Nacht, waren rund 120 Einsatzkräfte aus den Löschbezirken Neunkirchen-Innenstadt, Hangard, Münchwies, Wiebelskirchen und Wellesweiler sowie Ottweiler im Einsatz. Neben 18 Feuerwehrfahrzeugen befanden sich auch 7 Rettungswagen, 2 Notarzteinsatzfahrzeuge sowie die Einsatzleitung Rettungsdienst vor Ort. Für die Versorgung der großen Zahl an Einsatzkräften mit warmen und kalten Getränken sowie einem kleinen Imbiss kommt der DRK Ortsverein Wiebelskirchen vor Ort.

Landesbrandinspekteur Timo Meyer, Kreisbrandinspekteur Werner Thom und Bürgermeister Jörg Aumann machten sich ebenfalls ein Bild von der Lage und standen der Einsatzleitung beratend zur Stelle.